Golden Week

Was genau ist die sogenannte „goldene Woche“?

Unter der goldenen Woche versteht man in der Volksrepublik China die drei arbeitsfreien Wochen. Diese umfassen das Frühlingsfest im Januar oder Februar, die von uns erlebte Nationaltagswoche sowie die Woche der Arbeit am 1. Mai, wobei diese auf einen Tag reduziert worden ist.

Die Nationaltagswoche beginnt am 1. Oktober und endet am 7. Oktober, also genau innerhalb unseres Aufenthaltes in Ningbo, China. Für diesen Zeitraum haben wir uns entschieden einen kleinen Exkurs Richtung Shanghai zu starten. Wir hatten zwar schon von den besonderen Ferien in China gehört, jedoch waren wir uns der Ausmaße, die diese nach sich ziehen würden, nicht bewusst.

Schon mehrere Tage vor dem Start der goldenen Woche hat es sich bemerkbar gemacht, dass die Feiertage vor der Tür stehen. Etliche Studenten mit Rollkoffern und verschiedenstem Gepäck, die auf dem Weg nach Hause zu sein schienen, liefen über den Campus. Für uns war das keinesfalls ein Zeichen für Bedenken unserer bevorstehenden Weiterreise nach Shanghai, im Gegenteil, wir freuten uns an dem Aufbruch mit teilnehmen zu können.

Nicht nur die Aufbruchsstimmung der vielen Studenten hat die bevorstehenden Ferientage angekündigt, sondern auch die zahlreichen geschmückten Straßen, U-Bahnstationen und Sehenswürdigkeiten, die in die Farben des Landes getaucht waren. Das Land schien mit dem roten Fieber infiziert zu sein, alle hohen Gebäude mit Lightshows wurden mit den Jahreszahlen und der Nationalflagge ausgestattet, die Straßenlaternen bekamen ebenfalls kleine Flaggen und in den Bahnstationen wurden Plakate und Werbung platziert. Egal wo man sich in China aufhielt, es war einem bewusst, welches große Ereignis bevorstand.

Bedenken zu unserer Reisezeit waren zwar immer mal wieder, durch verschiedenste Aussagen von Studenten und Lehrpersonal und von uns im Internet gefundenen Bildern, bezüglich der freien Zeit präsent, wurden dann jedoch durch widersprüchliche Ratschläge von uns abgetan. Auch das reichhaltige Angebot an Airbnb’s und Hotelzimmern beruhigte uns ungemein. Als wir jedoch 6 Stunden vor unserem Reisebeginn standen und vergeblich versuchten eine der sonst so zahlreichen Taxen zu organisieren, welche uns zu unserem Bahnhof bringen könnte, überkam uns dann doch das Gefühl, dass wir vielleicht die nationale Feriensituation unterschätzt hatten. Nur mithilfe der Wachleute am Eingangstor konnten wir an zwei Taxen geraten, die uns zu unserem Bahnhof brachten. Da wir uns etwas mit der Zeit verkalkuliert hatten, standen wir nun um vier Uhr morgens, also drei Stunden vor Abfahrt am Bahnhof in Ningbo, der Bahnhof war übersät von Reisenden, die auf dem Boden schliefen oder wie wir auf das Öffnen des Ticketschalters warteten.

In Shanghai angekommen, machten wir uns auf dem Weg zum „Bund“, um die schöne Skyline zu bewundern. Leider schien das nicht nur uns in den Sinn gekommen zu sein. Die Straßen waren mit Menschenmassen überfüllt und mussten zum Teil mithilfe der Polizei und dem Militär wie eine Ampelschaltung geregelt werden. Nur so konnte sichergestellt werden, dass die Massen alle an die begehrten Sehenswürdigkeiten gelangen konnten. Dieses Spektakel war zum einen sehr beeindruckend zum anderen doch sehr befremdlich anzusehen. So viele Menschen habe ich nicht einmal bei größeren Sportveranstaltungen gesehen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass es durchaus möglich ist in der goldenen Woche in China zu verreisen, man sich jedoch auf größere Menschenmassen und längere Wartezeiten einstellen muss. Wenn man mit diesen Einschränkungen keine großen Probleme hat, kann ich dieses Erlebnis nur wärmstens empfehlen, da es nun wirklich ein kompletter Gegensatz zur sonst gewohnten Ferienzeit darstellt.

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