Projektpartner in China

Jetzt erzähle ich euch mal ein wenig über unseren Projektpartner. Wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, sind wir nicht nur hier um einige Classes mitzumachen, nein, wir arbeiten in Gruppen mit jeweils einem Unternehmen zusammen und müssen ein Projekt umsetzen, welches wir am Ende unseres Trips präsentieren. 

Am Anfang unserer Reise haben wir die drei Partnerunternehmen besucht und konnten uns dadurch erste Eindrücke verschaffen und haben die jeweiligen Briefings der Unternehmen erfahren. Anschließend haben wir uns mit den chinesischen Kommilitonen zusammengetan und uns in vier Gruppen aufgeteilt, in denen wir die nächsten Wochen zusammen arbeiten werden. Wer aufmerksam gelesen hat, sollte bemerkt haben, dass wir 4 Gruppen sind aber nur 3 Unternehmen haben, haha. Na, wer hat aufgepasst? Das ist aber kein Problem, weil zwei Gruppen den gleichen Praxispartner bekommen haben, aber unterschiedliches ausarbeiten. Klingt logisch, oder?

Meine Gruppe und ich haben uns für JORU GROUP entschieden, dieses Unternehmen betreibt Altersheime, welche ein wichtiges Thema in China sind. Denn Altersheime werden hier ganz anders angesehen als in Deutschland. Traditionell sind es in Asien die Kinder, die ihre Eltern im Alter pflegen und betreuen. Denn Respekt und Treue gegenüber den Eltern sind in China Teil der Tradition und tief im Selbstverständnis der Menschen verankert. Natürlich ist es ähnlich wie bei uns, wir kümmern uns auch später um unsere Eltern, aber wir sind in der Hinsicht viel moderner und freier aufgewachsen. 

Die Chinesen haben jahrhundertealte Parabeln über die Treue und Hingabe zu den Eltern, die bis heute zum Bildungskanon gehören. Darunter die Parabel des Jungen, der im Winter mit seinem nackten Körper das Eis auf einem See schmilzt, um für seine Stiefmutter frische Fische zu fangen. Wer mit diesen Werten und Traditionen bricht und etwa die Eltern im Altersheim unterbringt, wird oft schief angesehen. Natürlich verändert sich dieses auch so allmählich und modernisiert sich. Aber dadurch zerbrechen Großfamilien und die Mobilität wächst. 

Rund 160 Millionen Wanderarbeiter leben in den Großstädten, um dort Arbeit zu finden. Nur ein- oder zweimal im Jahr fahren sie nach Hause aufs Land zurück, um die Familie zu besuchen. Dazu kommt, dass wegen der strengen Familienplanungspolitik viele Paare heute nur noch ein Kind haben. Auf den Schultern des einzigen Sohnes oder der einzigen Tochter lastet später die gesamte Verantwortung für die Versorgung der Eltern. In China spricht man vom 4-2-1-Problem. Ein Kind hat später zwei alte Eltern und unter Umständen vier Großeltern zu versorgen. Für viele führt deshalb kein Weg am Altersheim vorbei.

In Zukunft kann diese Aufgabe der Versorgung der Alten nicht mehr allein von der Familie getragen werden. Die Gesellschaft und der Staat müssen mehr Verantwortung übernehmen. Der Staat muss mehr Altersheime und Senioreneinrichtungen bauen. Der Bedarf ist enorm. Derzeit gibt es in Peking pro 1000 Senioren gerade mal 28 Betten in staatlich geförderten Heimen. Bis 2015 sollten es zwar 40 Betten werden – aber das würde nur für gerade mal vier Prozent der alten Bevölkerung reichen. Die Zahl der Alten nimmt rapide zu: In den nächsten 40 Jahren wird die Zahl der alten Menschen voraussichtlich auf knapp 500 Millionen steigen – das wäre jeder dritte Chinese.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Eindruck  der Traditionen, des Familienlebens und des älter werdens hier in China verschaffen. Es muss sich in Zukunft einiges ändern, damit die kommenden Generationen ihre Eltern versorgen können. Keine Seite kann unabhängig von der anderen das Problem der Versorgung der Alten allein schultern.

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